Gastbeitrag von Marie-Andrée Brenner, Diplom-Übersetzerin
MABtrans – Technische Fachübersetzungen
Mensch oder Maschine – wer übersetzt besser?
Bedeutet das englische „control“ im Deutschen „steuern“, „regeln“, „überwachen“ oder doch „kontrollieren“? Eine Frage, vor der Internet-Übersetzungen – noch – kapitulieren.
Industrie 4.0, Künstliche Intelligenz, Automatisierung, die Lernende Fabrik, digitaler Wandel … Digitalisierung in all ihren Facetten ist seit einigen Jahren ein zentrales Thema in Pressemeldungen über technologische Entwicklungen, in Unternehmenspublikationen und Fachzeitschriften, Unternehmens-Blogs, und vielem mehr. Meine Kunden haben mich an dieser Entwicklung teilhaben lassen. Mit jeder Übersetzung zu diesem Thema wurde ich etwas schlauer, konnte ich die Entwicklung mitverfolgen, die Potenziale der Digitalisierung entdecken und ihre Notwendigkeit nachvollziehen.
Übersetzer – braucht man die noch?
Digitalisierung beschäftigt mich als Übersetzerin jedoch nicht nur inhaltlich, sondern auch, weil sie – wen wundert’s – auch in der Übersetzerbranche Einzug gehalten hat, unter anderem in Form von MÜ, der maschinellen Übersetzung. Es gab Zeiten, da wurden Schrift-Setzer gefragt, ob sie angesichts fortschreitender Technisierung ihres Berufsfeldes noch eine Zukunft für ihre Zunft sehen. Heute hört man als Über-Setzer* ähnliche Fragen. Vielfach wird von den Fragenden angeführt, dass zum Beispiel G..gle-Translate mittlerweile doch wirklich schon „ziemlich gute“ Ergebnisse liefert.
Übersetzungen – auf den Zweck kommt es an
Die kostenfreien, allseits bekannten Übersetzungsprogramme im Internet sind zweifelsohne praktische Helfer im Alltag. Einer anspruchsvollen Qualitätskontrolle halten sie jedoch kaum stand. Mein Anspruch ist es, Übersetzungen zu liefern, die hohe Erwartungen einer Fachleserschaft erfüllen. Aber dennoch gibt es auch in meinem Berufsalltag Berührungspunkte mit diesen Programmen. Wie die aussehen, möchte ich im Folgenden in Anlehnung an die aus der Automatisierungstechnik bekannte Strukturierung in Level 1, 2 und 3 erläutern.
Level 1 – schnell und alltagstauglich, aber begrenzt
Unter Level 1 fasse ich Gratis-Übersetzungssoftware aus dem Netz zusammen. Sie liefert Ergebnisse, die in der Regel verständlich und begrenzt alltagstauglich sind. Einer ihrer Vorteile ist, dass sie in Echtzeit zur Verfügung stehen.
Level 2 – immer ein wenig auf dem Glatteis
Es kommt bisweilen vor, dass Kunden mir vorschlagen, einen Text schon einmal auf Level 1 „vorzuübersetzen“, um die Übersetzung zu beschleunigen und den Aufwand (und damit auch die Kosten) zu senken. Um von einer Level-1-Übersetzung auf Level 2 zu kommen, ist meist jedoch ein hohes Maß an Nachbearbeitung erforderlich. Dieser Aufwand wird vielfach unterschätzt. So müssen zum Beispiel branchentypische Fachtermini hinterfragt, geprüft und angepasst und die häufig holprigen Satzübergänge geglättet werden.
Um ein gutes Ergebnis zu erzielen, ist aus meiner Erfahrung der Aufwand selten geringer, als es bei einer von Grund auf neuen Übersetzung der Fall gewesen wäre. Die große Schwierigkeit bei diesem sogenannten Post-Editing sehe ich darin, dass man in dem ursprünglichen, maschinell übersetzten Text gefangen ist und die eigene Kreativität ausgebremst wird.
Bei allen Texten mit einer Werbebotschaft, also eigentlich bei jedem Fachartikel, Marketing-Mailing und jedem Post auf den einschlägigen Social-Media-Plattformen, bewegt man sich mit „Level-2-Übersetzungen“ immer ein wenig auf Glatteis. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte sich auf Level 3 begeben.
Level 3 – Fachwissen inklusive
Auf Level 3 können Sie mit ruhigem Gewissen davon ausgehen, dass Ihre Übersetzung tatsächlich den beabsichtigten Zweck erfüllt und die gewünschte Botschaft transportiert. Sie ist auf die beabsichtigte Zielgruppe (Experten oder Laien) ausgerichtet, stilistisch an das Publikationsmedium (Fachartikel, wissenschaftliche Abhandlung, Werbebroschüre oder Social-Media-Post) angepasst und verwendet die korrekte Fachsprache. Um all dies sicherstellen zu können, muss der Übersetzer hinterfragen, nachfragen und manchmal auch zweifeln: Bedeutet „control“ in diesem Zusammenhang „steuern“, „regeln“, „überwachen“ oder doch „kontrollieren“? Internet-Übersetzungen beherrschen das nicht.
Und der Übersetzer muss sich die Zeit nehmen, mit seinen Kunden zu kommunizieren und etwaige Zweifelsfälle gemeinsam mit ihnen zu klären. Dies ist ganz eindeutig das Alleinstellungsmerkmal eines qualifizierten menschlichen Übersetzers.
Überzeugen Sie sich selbst – ein einfacher Test
Sollten Sie ausprobieren wollen, wie gut die Übersetzungsprogramme, die das Internet so bietet, tatsächlich sind, dann rate ich zu einem Selbsttest. Geben Sie einfach mal einen fremdsprachlichen Text ein und lassen sie ihn automatisch – am besten in Ihre Muttersprache – übersetzen … und urteilen Sie selbst.
Aber verwenden Sie für diesen Test bitte keinen Text aus einer bestehenden Website. Warum nicht? Das können Sie demnächst in einem weiteren Beitrag auf diesem Blog lesen.
Maschinelle Übersetzung
Eine kurze Begriffsklärung: Maschinelle Übersetzung und die hier behandelten Übersetzungsprogramme sind in keinem Fall gleichzusetzen mit CAT (Computer-Assisted Translation)-Tools. Diese Programme – die heute zum Handwerkzeug praktisch jeden Übersetzers gehören – übersetzen nicht selbst, sondern unterstützen den menschlichen Übersetzer bei seiner Arbeit. Im Gegensatz dazu erfolgt eine maschinelle Übersetzung automatisch.
MABtrans und VIP Kommunikation – ein bewährtes Team
Mit VIP Kommunikation arbeite ich seit langer Zeit zusammen. Meist geht es um Texte zu den Themenkreisen Herstellung und Verarbeitung von Metall, Messtechnik und Software. Da auf beiden Seiten fundiertes Fachwissen vorhanden ist, sparen unsere gemeinsamen Kunden viel Zeit, denn Korrekturen sind nur sehr selten erforderlich.
*) Die Autorin verzichtet in diesem Text aus Gründen der besseren Lesbarkeit auf ein explizites Gendern von Berufs- und sonstigen Personengruppenbezeichnungen.
MABtrans – Technische Fachübersetzungen
Marie-Andrée Brenner, Diplom-Übersetzerin
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